Warum Anerkennung stärker motiviert als Lob

Herbert Lattermann

Die motivierende Wirkung von Lob und Anerkennung wird besonders deutlich, wenn es an Lob und Anerkennung mangelt. In einer aktuellen Umfrage hat die Initiative Kraftwerk Anerkennung aus Wien festgestellt, dass Mitarbeiter in Unternehmen im Durchschnitt nur alle 75 Tage ein Lob oder eine Anerkennung erhalten. Dies ist nicht selten auch noch von schlechter Qualität. Ein einfaches “Gut gemacht” wird beispielsweise kaum als motivierend empfunden.

Bei dieser Umfrage gaben 200 Personen aus Österreich und Deutschland Auskunft zur Situation in ihren Unternehmen. Fast 60 Prozent der Befragten gaben an, nur einmal im Monat oder seltener Anerkennung am Arbeitsplatz zu bekommen. Im Durchschnitt findet dies alle 75 Tage einmal statt. Je länger ein Mitarbeiter im Unternehmen ist, desto länger wird diese Durststrecke. Wer mehr als 10 Jahre für die Firma arbeitet, muss rund 100 Tage auf Anerkennung warten.

Führungskräfte sehen die Sache anders

Diejenigen, die für Lob und Anerkennung zuständig sind, also die Vorgesetzten, sehen die Sache naturgemäß anders. Während 67 Prozent der Mitarbeiter aussagten, nur selten Anerkennung zu erhalten, behaupten 81 Prozent der Führungskräfte das Gegenteil.
Diese Diskrepanz liegt vermutlich an der eingangs erwähnten Qualität der Anerkennung. Ein simples “Danke” wird als wenig motivierend oder wertschätzend empfunden, auch wenn Führungskräfte dies anders sehen. Ein solches Dankeschön ist sicher besser als nichts, aber erst echte Anerkennung wirkt nachhaltig motivierend.

Der Unterschied zwischen Lob und Anerkennung

Worin unterscheiden sich nun Lob und Anerkennung? Und wie können Führungskräfte diesen Unterschied konstruktiv nutzen? Lob ist sozusagen ein Schulterklopfen von oben herab, der Lobende steht über dem Gelobten. Anerkennung hingegen ist eine Wertschätzung auf Augenhöhe, die auch hierarchieübergreifend funktioniert.

Anerkennung wirkt ansteckend, keine Anerkennung aber auch

Die Umfrage zeigt auch, dass sich neun von zehn Befragten mehr Anerkennung im Unternehmen wünschen, und dies auch aktiv unterstützen würden. Eine weiteres Ergebnis der Befragung war nämlich die Tatsache, dass – wer von Vorgesetzten häufiger Anerkennung erhält – dies auch doppelt so oft weitergibt. Lob und Anerkennung wirken also ansteckend, das Gegenteil aber leider auch. Wer selbst wenig positives Feedback bekommt, geizt auch mit Anerkennung für andere.

Wenn Führungskräfte also gute Leistung bei ihren Mitarbeitern erkennen und dies direkt positiv anmerken, setzen sie einen Domino-Effekt in Gang, der insgesamt zu mehr Wertschätzung und Motivation im Unternehmen führt.

Fernuniverstität Hagen

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