Strukturierte Vorstellungsgespräche sind effektiver

Herbert Lattermann

Strukturierte Vorstellungsgespräche sind effektiver sind als solche mit wenig Vorgaben, haben die Psychologin Julia Levashina von der Kent State University und ihre Kollegen festgestellt. Die Forscher untersuchten die Studien der letzten 20 Jahre zum strukturierten Job-Interview und fanden heraus, dass die Interviews durch eine Struktur erstens aussagekräftiger werden, dass zweitens Fehlurteile vermieden werden und drittens die Selbstdarstellung reduziert wird.

Welche Strukturen nützlich sind

Strukturiert sind Vorstellungsgespräche, wenn sie einem Gesprächsleitfaden folgen und die Auswertung der Gespräche vereinheitlichen. Das bedeutet im Einzelnen:

  • Fragen basieren auf einer Arbeitsanalyse.
  • Jedem Bewerber werden die gleichen Fragen gestellt.
  • Keine Hilfestellung beim Beantworten der Fragen.
  • Situative Fragen stellen („Wie führen Sie ein Meeting durch?“) oder solche mit Bezug auf vergangenes Verhalten („Was haben Sie im letzten Jahr getan, um Kosten zu sparen?“).
  • Längere Gespräche mit vielen Fragen führen.
  • Den Bewerber erst Fragen stellen lassen, wenn die eigenen Fragen beantwortet sind.

Bei der Auswertung sollte Folgendes berücksichtig werden:

  • Jede Antwort des Bewerbers bewerten.
  • Beurteilungen mit Skalen verwenden (z.B. „ungenügend“ bis „sehr gut“ oder Smileys).
  • Notizen während des Gesprächs machen.
  • Mehrere Interviewer einsetzen, und zwar bei allen Bewerbern dieselben.
  • Diese Interviewer trainieren.
  • Während es Interviews nicht über den Bewerber oder die Antworten diskutieren.
  • Statistische Werte ermitteln, um so Vorhersagen zur Eignung zu ermöglichen.

Vorstellungsgespräche so strukturiert zu führen, bedeutet für die Personalabteilung einen gewissen Aufwand (Erstellung der Gesprächsleitfäden, Schulung der Interviewer etc.). Aber diese Arbeit wird dadurch belohnt, dass strukturierte Einstellungsgespräche aussagekräftiger und genauer sind als Interviews ohne Leitfaden. Bewerber können somit zuverlässiger eingeschätzt und personelle Fehlentscheidungen minimiert werden. Außerdem können auf diese Weise eng definierte Kriterien ermittelt werden, wie z.B. ethisches Verhalten. Darüber hinaus profitieren auch die Interviews per Telefon oder Video sehr von dieser Strukturierung.

Die Studie ist im Original als PDF-Download hier verfügbar: onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/peps.12052/pdf

Fernuniverstität Hagen

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